Fleischindustrie: Arbeitsbedingungen der Werkvertragsarbeiter

Abgebranntes Wohnhaus

Heutiges Schwerpunktthema bei Radio Bremen 2  

In den Landkreisen Cloppenburg und Vechta werden mehr Tiere gemästet und geschlachtet als anderswo in Deutschland. Dadurch hat es die Region zu einigem Wohlstand gebracht – auf Kosten der Arbeitsmigranten aus Süd- und Südosteuropa, die für Hungerlöhne schuften.

Autorin Christina Gerlach, Länge: 4:18 Minuten vom 27. März 2019 bei Radio Bremen Zwei

https://www.radiobremen.de/bremenzwei/aktuell/schwerpunkte/schwerpunkt-fleischindustrie100-popup.html

„Wir behandeln sie wie Sklaven“

Im Landkreis Cloppenburg gehören Billiglöhner in den Fleischbetrieben  zum Alltag, zum Beispiel in Emstek. Bremen Zwei-Reporterin Christina Gerlach war vor Ort.

Die meisten Schlachthofarbeiter sind bei Subunternehmen angestellt. Ihre Lebens- und Arbweitbedingungen sind oft prekär.

Der Vion-Schlachthof in Emstek. Die osteuropäischen Schlachthelfer werden zum Schlachthof  transportiert. Für 50 Euro monatlich, Geld, das ihnen  vorab vom kargen Lohn abgezogen wird.  Ausrangierte Reisebusse und klapprige Kleintransporter spucken Hunderte Männer und Frauen vor dem Drehkreuz aus. Wer mit den Medien spricht, riskiert die fristlose Kündigung. Wer sich krank meldet oder aufmuckt, auch. Denn die Werkvertragsarbeiter sind nicht in den Schlachtbetrieben angestellt, sondern bei Subunternehmern, die nach Belieben heuern und feuern, so beschreibt es Detlef Kolde, Kriminalhauptkommissar, außerdem stellvertretender SPD-Fraktionschef im Cloppenburger Kreistag:

„Das hängt damit zusammen, dass wir hier seit Jahrzehnten im Oldenburger Münsterland die ausländischen Schlachter wie Sklaven behandeln.“

Seit mehr als 16 Jahren prangert er die Zustände an: 60 Stunden-Woche, Dumpinglöhne, heruntergekommene Unterkünfte.

„Wir haben hier katastrophale Wohnverhältnisse, und wir haben auch viele Cloppenburger Bürger, die damit sehr sehr viel Geld verdienen. Und diese Handlungsweise nenne ich sittenwidrige Vermietung.“

Parallelgesellschaft in den Gemeinden

Den kleinen Gemeinden in Südoldenburg wurden mit den Schlachtbetrieben große Probleme aufgebürdet. Sammelunterkünfte, in denen die Werkvertragsarbeiter zusammengepfercht sind, viele Osteuropäer, die kein Deutsch verstehen und auch nach Jahren nicht integriert sind. Ein Beispiel: die Gemeinde Essen im Landkreis Cloppenburg mit 9.500 Einwohnern und einem der größten Schlachtbetriebe Deutschlands, Danish Crown.

Die Arbeit in vielen Schlachthöfen in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta wird mittlerweile fast ausschließlich von Werkvertragsarbeitern aus Rumänien oder Bulgarien erledigt. Harte Arbeit für wenig Geld. Aber auch für die Gemeinden stellen die vielen Wandearbeiter eine Herausforderung dar. Zum Beispiel in der Gemeinde Essen, im Landkreis Cloppenburg mit 9.500 Einwohnern und einem der größten Schlachtbetriebe Deutschlands. Wie geht ein Dorf damit um?

Autorin Christina Gerlach, Länge: 3:55 Minuten vom 27. März 2019 bei Radio Bremen Zwei

https://www.radiobremen.de/bremenzwei/aktuell/schwerpunkte/schwerpunkt-fleischindustrie102-popup.html

Drei große Unternehmen beherrschen den deutschen Markt: Tönnies, Vion und Westfleisch.

64.000 Schweine pro Woche werden geschlachtet. 1.700 Werkvertragsarbeiter sind dort beschäftigt. Die meisten kommen aus Osteuropa, sie sind im Ort kaum zu sehen, erzählen die Essener. Eine Geisterarmee also. Es sei eine Parallelgesellschaft, sagt Fridrich Hillen, pensionierter Grundschullehrer und Vorsitzender des Bildungswerks Essen. Und er sagt:

„Ich kann ruhig sagen: Wir schämen uns ein bisschen.“